Jemanden zu verlieren, den man liebt ist das Schmerzhafteste der Welt.
Es war als hätte jemand eine Atombombe in mein Leben geschmissen. Mit Ansage.
"Man ist nie auf das vorbereitet, was man erwartet" steht in meinem Lieblingsbuch "Der Große Trip - Wild".
Wenn man weiß, dass jemand sterben wird, dann denkt man sich, das macht alles irgendwo einfacher.
Man hat Zeit Abschied zu nehmen, man kann noch die restliche Zeit zusammen genießen, weil man auf einmal sieht wie kostbar sie ist und einem bewusst wird das diese gemeinsame Zeit begrenzt ist.
Aber es ist genauso schlimm.
Wie viele Monate war es eine Qual nach Hause zu fahren und gleichzeitig eine Sucht, weil ich keinen Moment fern bleiben wollte. Zuhause war traurige Gesichter, Trauer, Tränen, Tagelang, Wochenlang, Monatelang.
Es war eine Qual.
Ich sah ihm in die Augen und hielt meine Nase an seine, um seinen warmen Atem in meinem Gesicht zu spüren, legte meine Hand auf seinen Bauch um seine Wärme zu spüren, drückte meinen Kopf auf seinen Brustkorb um sein Herz schlagen zu hören.
Nur um es mir einzuprägen, das Gefühl für immer zu speichern.
Ich konnte mir damals nicht vorstellen wie es ohne ihn wäre. Es ging nicht. Er war meine große kleine Liebe.
Am Anfang hatte man es für nichts schlimmes gehalten.
Man ging zum Arzt und dachte es wir wieder alles gut.
Doch irgendwann kam die Gewissheit.
Durch die Medikamente ging es ihm erst besser und es kam die Hoffnung.
Die Hoffnung ist wie ein Hügel und dahinter kommt der Abgrund. Die Hoffnung verdeckt ihn. Man hat ihn aus der Ferne schon gesehen, aber denkt man hätte ihn sich nur eingebildet und er ist gar nicht da.
Manchmal werden Hoffnungen erfüllt.
Aber manchmal werden sie zerstört.
Wir waren noch einmal zusammen im Urlaub. Am Meer und Strand, wo wir schon so oft waren.
Es war schön, es tat gut, es hätte für immer so bleiben können.
Einige Wochen später ging es ihm kontinuierlich schlechter.
Die Hoffnung zerplatze, und dann war da der Abgrund.
Und ich fiel...
Eines Morgens wachte ich von den Stimmen meiner Eltern auf.
Ich ging runter in die Küche. Ich hatte es im Gefühl das heute der Tag war. Ich wäre am liebsten nie aufgewacht.
Er keuchte, die ganze Nacht hatte er nicht richtig Luft bekommen. Der Krebs hatte seine Organe zerfressen und ihm Wasser in die Lunge gepumpt.
Ich wusste ich musste Abschied nehmen.
Ich setzte mich neben ihn, weinend, ich streichelte seinen Kopf.
Und dann ging er, ohne Halsband ohne Leine, denn die brauchte er nicht mehr.
Ich lief ihm nach, denn ich hatte mir geschworen, ich würde ihm noch einmal sagen, dass ich ihn liebe bevor er stirbt.
Er hatte keine Ahnung was ich meinte, er wusste ja nicht was passieren würde.
Er ging wie immer, alt und krank, aber glücklich.
Und dann war er weg, und ich ging wieder hoch, legte mich in mein Bett, starrte in den Himmel und wartete, dass er zurückkam, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass er nicht zurückkommen würde.
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